Musizierende in der Krise

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Freischaffende Musikerinnen und Musiker trifft der Kultur-Lockdown besonders hart. Sie können nicht auftreten, kaum noch ihre Miete zahlen und haben keine Perspektive für die Zukunft. Die Folge: Immer mehr Musikschaffende leiden unter psychischen Belastungen und Existenzängsten. Der Psychotherapeut Andreas Burzik gibt besorgniserregende Einblicke in seine Praxis. Und erklärt, was Betroffenen helfen kann. (…) SAHNEWORTE-Prädikat: sehr lesens- und nachdenkenswert!

Hier kommt ein Auszug aus dem Beitrag von Antonia Morin (aus: BR Klassik, 28.04.2021, Link s.u.):

Andreas Burzik hat sich auf die Behandlung von Musikerinnen und Musikern spezialisiert. Er kennt ihren Berufsalltag und ihre Sorgen, schließlich ist er selbst studierter Geiger. In seine Bremer Praxis kommen mittlerweile Patientinnen und Patienten aus dem gesamten Bundesgebiet. Viele berichten seit dem Beginn der Pandemie von einer tiefen Identitäts- und Sinnkrise. „Das liegt daran, dass Musiker sich sehr tief mit ihrem Beruf identifizieren“, erklärt Burzik. „Schon in ihrer Kindheit und Jugend haben sie ganz viel Zeit in diese Tätigkeit investiert. Sie sind mit Herzblut dabei. Wenn sie ihren Beruf nicht ausüben können, ist das nicht nur existenziell bedrohlich, sondern es bedroht ihr Identitätsgefühl.“

Wer bin ich noch, wenn ich nicht Musik machen kann?

Wer bin ich noch, wenn ich nicht Musik machen kann? Wird meine Stelle bald gestrichen? Welchen Wert hat mein Beruf eigentlich, wenn er nicht „systemrelevant“ ist? Die Verunsicherung bei Musikerinnen und Musikern wächst, ob freischaffend tätig oder festangestellt im Orchester. (…) Viele Freischaffende sind gleich doppelt betroffen: Ihnen fehlt inzwischen nicht nur die Motivation, sondern auch die Zeit für ihr Instrument. Um über die Runden zu kommen, mussten sie oft Aushilfsjobs annehmen. Eine fatale Situation, denn das Musizieren ist eine motorische Tätigkeit, bei der die Muskeln wie bei Sportlern ständig trainiert werden müssen. „Wenn die Künstler stundenlang bei Lidl Regale eingeräumt haben, haben sie Angst, dass sie ihr Instrument nicht mehr pflegen können und sukzessive aus ihrem Beruf herausrutschen.“ Burzik versucht zwar, in seiner Praxis Möglichkeiten und Wege zur Unterstützung aufzuzeigen. „Aber wenn eine ganze Lebensperspektive weggebrochen ist, hat man auch als Psychotherapeut schlicht und einfach Grenzen“, gibt er zu. (…)

„Soziale Kontakte sind essenziell. Sich Zuhause einzuschließen ist keine Lösung.“

Andreas Burzik

Hier geht es zum kompletten Beitrag .

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